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Hintergrund der Workshopreihe

Öffentlichen Debatten zufolge ist Geschlechtergerechtigkeit in der Gesellschaft weitgehend verwirklicht. Genderspezifische Daten belegen jedoch, dass Frauen* in fast allen gesellschaftlichen Bereichen unterrepräsentiert sind, je höher in der Hierarchie geschaut wird, dass Frauen* für die gleiche Arbeit nach wie vor weniger Lohn bekommen und dass ihnen noch immer der größte Teil der reproduktiven Arbeit aufgebürdet wird.
Auch in der subtilen, männlich dominierten Wissenschaftskultur wird Frauen* nach wie vor der Zugang zu den höheren und höchsten Ebenen der wissenschaftlichen Laufbahn erschwert. Auf struktureller Ebene sind die wirkmächtigsten Benachteiligungen durch die schlechtere finanzielle Absicherung von Studentinnen* und durch gravierende Unterschiede bei der Verteilung der Betreuungspflichten gegeben. Auch im Studierendenalltag zeigt sich, dass männliche Studierende stärker in der Uni verankert sind als weibliche Studierende: Gerade in Lehrveranstaltungen entsteht immer wieder der Eindruck, dass sich anteilig wesentlich weniger Frauen* selbstbewusst zu Wort melden, immer wieder dominieren männliche Kollegen die Diskussion. Darüber hinaus laufen Frauen* aus allen Bevölkerungsgruppen in weitaus höherem Maße Gefahr häuslicher und außer-häuslicher Gewalt ausgesetzt zu sein.
Fazit: Als gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft können Frauen* heute immer noch nicht gelten.

Diese Überlegungen bilden den Hintergrund, warum zur Teilnahme an den Workshops ausschließlich Frauen* (cis und trans Frauen) und Transgender-Personen, also Menschen, die sich anders definieren als das Geschlecht, das ihnen bei ihrer Geburt zugeordnet wurde, eingeladen werden. Der Zugang zu den Workshops wird über Geschlechtsidentität geregelt, nicht weil wir davon ausgehen, dass Sexismus immer und überall die Hauptform der Unterdrückung von allen Frauen* ist, aber weil wir glauben, dass es trotz Differenzen auch verbindende Erfahrungen (im universitären Kontext und darüber hinaus) gibt, die viele Frauen* machen (müssen).

Trans*personen sind teilweise von ganz anderen gesellschaftlichen Benachteiligungen betroffen. Doch auch wenn gemeinsame Diskriminierungserfahrungen zwischen diesen ohnehin heterogenen Gruppen nicht vorausgesetzt werden können, ist beiden Gruppen gemein, dass sie eher nicht (oder weniger) Nutznießer_innen der Privilegien der gesamtgesellschaftlich als Norm gesetzten Gruppe (männlich, weiß, hetero, cis, nicht behindert etc.) sind. Macht/Ohnmacht und gesellschaftliche Möglichkeiten verteilen sich in unterschiedlichem Maß auf verschiedene gesellschaftliche Gruppen; in diesem Zusammenhang stellt Geschlechtsidentität ein wesentliches Kriterium dar, das immer noch genutzt wird, um Menschen zu bevorzugen oder zu benachteiligen.



Zur Schreibweise

Schreibweise '_innen': Um den Konstruktionscharakter der Kategorie Geschlecht im Schriftbild sichtbar zu machen, wird hier die Schreibweise '_innen' verwendet, die auf die Dekonstruktion der Zweigeschlechtlichkeit verweist. Der Unterstrich dient als Raum für vielfältige Geschlechtsidentitäten jenseits des konstruierten Dualismus von Frau* und Mann*. Mit dem mitunter verwendeten Sternchen* soll aufgezeigt werden, dass sich hinter der Kategorie Frau* eine Vielfalt an Geschlechtern und Identitäten verbergen kann.

Trans* bildet den Oberbegriff für alle Personen, für die das gelebte Geschlecht keine zwingende Folge des bei Geburt zugewiesenen  Geschlechts ist. Außerdem bezeichnen sich Personen als Transgender, die sich außerhalb der Geschlechterdichotomie von männlich und weiblich verorten und damit die Geschlechtergegensätzlichkeit Frau/Mann in Frage stellen.
Cisgender ist das Gegenteil von Transgender, bezeichnet also Menschen, deren Geschlechtsidentität mit der übereinstimmt, die ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.

 

Quellen

Abteilung Frauenförderung und Gleichstellung der Universität Wien (2011): Gender im Fokus. Frauen und Männer in der Universität #3

Gladt (2009): Geschlechterkonstruktion und Sexismus
online unter:
hej.gladt.de/archiv/2009-12-15%20HR%203%20-%20Geschlechterkonstruktionen%20und%20Sexismus.pdf

Gladt (2011): Frauenräume und die Diskussion um Trans*-Offenheit
online unter:
www.gladt.de/archiv/2011/safer_spaces_online.2.Auflage.pdf

Institut für Höhere Studien Wien (2012): Studierenden-Sozialerhebung 2011. Bericht zur sozialen Lage der Studierenden
online unter:
ww2.sozialerhebung.at/Ergebnisse/PDF/Studierenden_Sozialerhebung_2011_BAND_2_Studierende.pdf

 

 

Vorsitz

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